Die Rettung mittels tragbarer Leitern ist seit Jahrhunderten eine bewährte Methode, um Personen in Not vor Flammen und anderem Unheil zu bewahren. Mit dem Einzug moderner Gerätschaften in das Feuerlöschwesen wandelte sich auch die einfache Leiter hin zu einem multifunktionalen Arbeitsgerät. Die moderne Drehleiter, welche oftmals sinnbildlich für die Feuerwehr steht, ist dabei jedoch nur die aktuelle Evolutionsstufe dieses althergebrachten Arbeitsgerätes.


Erste Hinweise auf Leitern im Gebrauch des Feuerlöschwesens in Orb finden sich in einer Übersicht über sämtliche Gerätschaften zur Brandbekämpfung in Orb vom 22. August 1818. Dort ist von drei Leitern die Rede. Diese, so geht es aus dem Dokument hervor, befänden „sich in gutem Stande im Rathause“. Dort wurden damals die meisten Feuerlöschgeräte gelagert. Die gleiche Anzahl an Leitern geht aus einem Bericht vom 28. März 1820 hervor. Dieser Bericht betrachtet jedoch nicht die kommunalen Bestände an Löschrequisiten, sondern die der königlich bayrischen Saline. Die Saline, als damals größter Industriebetrieb in Orb, hatte, vor allem wegen der großen Brandgefahr in den Sudhäusern und Werkstätten, eine eigene „Betriebsfeuerwehr“ aufgebaut. Auf eben diese betriebliche Feuerwehr geht indes die erste Feuerspritze in Orb zurück. Erst nach und nach und mit dem Abklingen des kommerziellen Erfolgs der Salzgewinnung überholte die städtische Feuerwehr in puncto Ausrüstung die Salinenfeuerwehr, obgleich es schon lange Zeit ein Abkommen zwischen Saline und Stadt gab, dass im Falle eines Brand gegenseitige Hilfe durch Mannschaft und Material zu erwarten sei. So gab es bereits im Jahre 1835 fünf Leitern für die Brandbekämpfung im Besitz der Stadt Orb. Aus einem im gleichen Jahr erschienen Bericht über die Feuerlöschausstattung der Gemeinden im Landgericht Orb geht diese Zahl hervor. Die übrigen Gemeinden des Landgerichts Orb verzeichnen jeweils zwei Exemplare. Diese Quelle verdeutlicht, dass bereits vor dem Häuserbrand von 1852 im Gretenbachviertel im regionalen Vergleich verhältnismäßig viele Leitern für die Brandbekämpfung zur Verfügung standen.

Übung der Freiwilligen Feuerwehr am Alten Rathaus auf dem Marktplatz. Deutlich sind einige Hakenleitern zu erkennen. Foto: Dr. Ludwig Bickell, Landeskonservator | Archiv Freiwillige Feuerwehr Bad Orb

Es ist anzunehmen, dass sich in den darauffolgenden Jahren die Zahl der Leitern vermehrte.


Im Februar 1892 veranstaltete die Freiwillige Feuerwehr Orb ein Konzert, mit dessen Erlös die Beschaffung einer mechanischen Leiter finanziert werden sollte.

Zehn Jahre später und nach den Wirren der Neugründung 1901 wurde im Jahre 1902 für 924,- Mark (heute entspräche dies ohne Berücksichtigung der Inflation circa 8640€) eine mechanische Leiter mit der für die damalige Zeit beachtliche Steighöhe von 13 Metern gekauft. Diese erforderte, so berichten Zeitzeugen, einiges Geschick und viel Schwung beim Instellungbringen. Zwei große hölzerne Räder machten die Fortbewegung der damals hochmodernen Leiter möglich.

Auch auf einem Gruppenfoto vor dem ersten von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Orb genutzten Kraftfahrzeug aus dem Jahre 1933 sind Leitern zu sehen. Inwieweit sich der Bestand tragbarer Leitern zu dieser Zeit darstellte ist nicht bekannt.

Auch auf dem 1949 beschafften Löschgruppenfahrzeug 8 befanden sich ebenfalls mehrere kleinere tragbare Leitern.

Die mechanische Leiter (rechts) im Transportzustand während der Herbstschlussübung 1955 am Bahnhof Bad Orb.

Im Jahre 1964 hielt eine weitere Evolutionsstufe im Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr Einzug. 62 Jahre nach der Beschaffung der mechanischen Leiter wurde nun die erste Drehleiter DL 25 für 72’000 Mark (entspräche heute unter Berücksichtigung der Inflation circa 153.671€) beschafft. Magirus verbaute den Leiterpark auf einem Magirus-Deutz F Mercur 150 D Eckhauber mit einer zulässigen Gesamtmasse von 11000kg. Aus einem luftgekühlten V6-Viertakt-Dieselmotor (Deutz F6L 714, Ausführung B) mit 9500ccm Hubraum wurden bei 2500 Umdrehungen pro Minute 92kW (125 PS) erzeugt. Eine heute seltene gesehene Besonderheit: Im Mannschaftsraum war Platz für eine Staffel (Sechs Personen). Pfarrer Kapp (kath.) verglich bei seiner Predigt zur Einweihung des Fahrzeugs die Feuerwehrleiter mit der Himmelsleiter.

Die Drehleiter 25 am Tage der Einweihung bei einer Fahrt auf dem Burgring.

Das feuerwehrtechnische Material wurde in Klappen im unteren Teil des Fahrzeugs transportiert. Ein Ersatzrad war am Drehkranz rechts verlastet. Auf der Beifahrerseite war ein Arbeitsscheinwerfer befestigt. Abgestützt wurde die Drehleiter über senkrecht absenkbare Gewindestangen.

Der Leiterpark bestand aus vier Leiterteilen.

Auch am Morgen des 25. Dezember 1983 war die DL 25 mit von der Partie. Nach den beiden Tanklöschfahrzeugen traf die Drehleiter als drittes Fahrzeug beim Jahrhundertbrand der St.-Martins-Kirche ein. Im Verlauf des Einsatzes wurde jedoch noch eine höhere Drehleiter benötigt. So wurde schon bald die damals neue DLK 23/12 der Feuerwehr Salmünster nachgefordert. Mit ihrer Höhe und dem anbaubaren Drehleiterkorb wurde ein effektiveres und vor allem sichereres Arbeiten und Löschen von oben ermöglicht, obgleich die Bad Orber DL 25 ihr übriges zur Brandbekämpfung beitrug.

25. Dezember 1983.

Im Jahre 1989 versuchte Günter Lauer, Stadtbrandinspektor a.D., die DL 25 im Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda unterzubringen. Leider konnte das Museum das Angebot aufgrund von Platzmangel nicht annehmen.

Die erste Bad Orber Drehleiter wurde an ein Fensterreinigungsunternehmen verkauft.

Im Jahre 2020 stellte die Firma Magirus dem Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Bad Orb eine Kopie des Lieferscheins zur Verfügung. Darin sind eine ganze Reihe weiterer Details gelistet.


Im Jahre 1987 wurde nach 23 Jahren ein neues Kapitel in Bezug auf die Hubrettungsfahrzeuge in der Bad Orber Feuerwehrgeschichte aufgeschlagen. Eine kleine Delegation holte die neue Drehleiter DLK 23/12 bei Magirus in Ulm ab. Die Anschaffung kostete die Stadt Bad Orb 600’000,- DM (entspräche heute unter Berücksichtigung der Inflation circa 554.420€). Landes- und Kreiszuwendungen schmälerten den städtischen Investitionsanteil.

Die Drehleiter mit Korb 23/12 im Jahre 1993.

Die Firma Magirus Ulm baute das Fahrzeug auf einem Iveco 140-25 A Frontlenker-Fahrgestell auf.

Die Weiterentwicklungen im Vergleich zur Vorgängerin lagen auf der Hand. Die höhere Rettungshöhe sowie der anhängbare Korb ermöglichten ein effektiveres Arbeiten. Das verbesserte Wenderohr sowie die Möglichkeit der einfachen Ausleuchtung von Einsatzstellen aus der Höhe waren nur einige Vorteile der neuen Drehleiter. Auch die zentral steuerbare Abstützung stellte eine große Verbesserung dar. So musste nicht mehr jede Stütze einzeln bedient werden.


Nach weiteren 26 Jahren erfolgte im Jahr 2013 die Beschaffung der dritten Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Bad Orb.

Selbstverständlich erfolgten intern viele, vor allem technische Verbesserungen.

Die Drehleiter 23/12 im August 2020.

Die auffälligste Neuerung ist jedoch das Gelenk im obersten Leiterteil. So kann auch über Dachgiebel hinausgefahren werden. Auch der bereits angebrachte Drehleiterkorb ermöglicht ein schnelleres Operieren im Einsatz. Magirus baute die neueste Drehleiter auf einem Iveco FF 160 E 30 4×2 Fahrgestell auf. Das 6-Zylinder-Dieselaggregat leistet mit seinen 5880ccm Hubraum bei 2500 1/min 220kW (ca. 300PS). Mit gut 10 Metern Länge, 2,50 Metern Breite und 3,30 Metern Höhe handelt es sich um die bisher größte Drehleiter in Bad Orb. Der vierteilige Leitersatz wird auf die Höhe von 32 Metern über Seilwinde ausgezogen. Komplettiert wird das moderne Arbeitsgerät mit diversen Anbaumöglichkeiten wie einem Wasserwerfer oder einem Überdrucklüfter. Diese können am Rettungskorb, welcher vier Personen oder 300kg tragen kann, angebracht werden. Eine moderne Gegensprechanlage ermöglicht die Kommunikation zwischen Drehleitermaschinist im Bedienstand und Besatzung im Korb. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf 550.000 Euro.

Heute ist die Drehleiter ein Universalwerkzeug im Feuerwehrwesen.

In den vergangenen 200 Jahren hat sich das feuerwehrtechnische Material in der Stadt Bad Orb auch mit Hinblick auf die tragbaren Leitern und später auch Drehleitern stetig weiterentwickelt. Von drei einfachen Leitern im gesamten Stadtgebiet sind wir heute, im positiven Sinne, weit entfernt.

Zwei verschiedene Leitern sind heute Standard auf jedem Löschgruppenfahrzeug. Hinzu kommt noch ein modernes Drehleiterfahrzeug. Viele Einsätze zeigen jedoch, dass die tragbaren Leitern über die Jahrzehnte keineswegs ihre Daseinsberechtigung verloren haben.


Quellen: Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Bad Orb, Privatarchiv Lindenmayer, Günter Lauer, Privatarchiv Weisbecker, Stadtarchiv Bad Orb