1862 – Ein umfangreiches Verzeichnis von Mitgliedern eines Branddirektoriums, einer Freiwilligen Feuerwehr und einer Pflichtfeuerwehr ist auf dieses Jahr datiert. In diesem Mitgliederverzeichnis finden sich viele Orber Bürger wieder. Nebst den Vor- und Nachnamen sind auch die damaligen Hausnummern und Berufe vermerkt. Bemerkungen wie „nach Amerika“ sind ebenfalls vorhanden. Bei diesem Verzeichnis handelt es sich um ein bedeutendes Dokument der Orber Stadtgeschichte, da hier viele Personen und Persönlichkeiten der damaligen Zeit verzeichnet sind. Hervorzuheben ist ebenfalls, dass sich auch einige typische jüdische Namen in der Auflistung finden. Peter „Petrus“ Kuhl (1834-1892), Zimmerermeister und Gastwirt, ist in diesem Jahr Kommandant der Bad Orber Feuerwehr.


Auch lässt sich aus dem Verzeichnis ungefähr ablesen, wie der damalige Einsatzablauf aussah. So gliederte sich die damalige Freiwillige Feuerwehr in das Kommando sowie in eine Steigermannschaft, welche im Umgang mit den Leitern besonders trainiert war. Dazu kam eine Spritzenmannschaft, die die erste Spritze bediente.
Tätigkeiten wie das Bedienen der Nachrückenden Spritzen (Spritze 2-4) sowie das Herbeischaffen des nötigen Wassers kommen der Pflichtfeuerwehr zu. Der weitaus größte Teil der Einsatzkräfte sind damals für das Herbeischaffen des Löschwassers abgestellt.


Zu bemerken gibt es ebenfalls, dass die Wachen der Saline, der Polizeidiener sowie Nachtwächter dazu verpflichtet sind, im Alarmfall die Glocke des Rathauses zu stürmen. Sieben zivile Bürger, darunter der damalige Kirchner (Küster), machen sich im Alarmfall daran, die Glocken der Kirche zu betätigen.


Griffen die Flammen soweit um sich, sodass ein Haus nicht mehr gehalten werden konnte, kamen die Ausräumer zum Einsatz. Diese räumten die Gegenstände des entsprechenden Hauses aus und brachten sich an einen zentralen Platz. Dort hielten über zwanzig Personen Wache, damit die Gegenstände an Ort und Stelle blieben.
Danach kamen die sogenannten Einreißer zum Einsatz. Diese rissen im wahrsten Sinne des Wortes die um das eigentliche Brandobjekt gelegenen und vorher ausgeräumten Häuser nieder. So konnte das Ausbreiten des Feuers durch das Anlegen einer Brandschneise verhindert werden. Auffällig ist, dass sich in der Mannschaft der Einreißer ausschließlich Zimmermänner und -meister, sowie Maurer und Maurermeister fanden. Bei den Mitgliedern der Bewachungsmannschaft und den Ausräumern fanden sich überwiegend Personen aus gehobeneren Berufen wieder.


Insgesamt waren so, rein formal laut Verzeichnis, bei Bränden weit über 500 Bürger als Einsatzkräfte beteiligt. Vom einfachen Tagelöhner über den Bäcker, Zimmermann, Geschäftsführer und Kaufmann waren auch Gerichtsvollzieher und Ärzte als aktive Mitglieder der Feuerwehr abgestellt. Somit war ein Brandereignis in der damaligen Zeit immer auch ein Kollektivereignis und -erlebnis, welches keine Schicht in der Stadtgesellschaft außen vorließ.


Inwieweit der großer Häuserbrand von 1852 mit der Gründung dieser Freiwilligen Feuerwehr in Zusammenhang zu bringen ist und warum erst das Jahr 1864 als Gründungsdatum der Feuerwehr Orb zu verzeichnen ist, kann bis heute nicht abschließend geklärt werden.

Es ist allerdings anzunehmen, dass um 1864 neue Gesetzte dazu verpflichteten, das kommunale Feuerlöschwesen genauer und vor allem personenunabhängig zu organisieren.

Kategorien: Historisches

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.