Einigen aufmerksamen Betrachtern ist sicher bereits aufgefallen, dass auf diesem Bild des Löschgruppenfahrzeug 8 auf dem Frontbalken der Name „Hans Herbert Bien“ zu lesen ist. Doch was hat es mit diesem Schriftzug auf sich?

Um die Geschichte hinter diesem Schriftzug zu verstehen, muss man etwas weiter ausholen.

Ab Mitte der 1920er Jahre spielte Josef Bien, Steinmetzmeister und Maurer, eine größer werdende Rolle in der Führung der Bad Orber Wehr. Der im Jahre 1889 in Oberndorf geborene Bien kam in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts mit seiner Familie nach Bad Orb. Hier arbeitete er ab 1924 als selbstständiger Steinmetzmeister. Sein Betrieb lag in der Füllweinstraße 18. Bien kämpfte zudem als Soldat im ersten Weltkrieg.

Lange Zeit bekleidete er die Position des Schriftführers und führte so unzählige Protokolle über Versammlungen der Wehr. Glücklicherweise sind diese erhalten und seit kurzem vollständig aus dem Sütterlin transkribiert. Durch seine Arbeit als Schriftführer kam Bien schon früh mit der Führung der Wehr in engen Kontakt. Aus der Chronik der Feuerwehr Bad Orb geht so beispielsweise hervor, dass er mit Kommandant Prasch und Zugführer Dickert als Adjudant am Verbandsfest in Bad Hersfeld vom 12.-13. Juli 1931 teilnahm.

Josef Bien in den 1930er Jahren. Wann genau dieses Bild aufgenommen wurde, ist bisher nicht abschließend geklärt. Als Jahre kommen 1934 und der April 1937 in Frage.

Am 23. September 1934 wird Bien letztendlich durch den Kreisführer zum „Wehrführer im Range eines Hauptbrandmeisters“ ernannt. Sein Vorgänger, Kommandant Adam Prasch, schied altersbedingt aus seinem Amt. Seit den Anfängen der Wehr in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist dies die erste Ernennung des Kommandos. Zuvor wurde das Kommando stets von den freiwilligen Mitgliedern demokratisch gewählt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den damit verbundenen Gleichschaltung der Strukturen in allen Vereinen und Organisationen wurde mit dieser langen Tradition erstmals gebrochen.

In den 1930er Jahren bauten findige Feurwehrmänner ein aus Frankfurt stammendes PKW-Fahrgestell zum ersten Kraftwagen der Feuerwehr Bad Orb aus. Nachdem dieses Gefährt tragischerweise auf einer der ersten Einsatzfahrten einen schwerwiegenden defekt auswies, gab es während des Krieges und bis in das Jahr 1949 kein motorisiertes Fahrzeug mehr.

Im Jahre 1949 wurde das Löschgruppenfahrzeug 8 als erstes Feuerwehrfahrzeug in Bad Orb beschafft, welches auch von Anfang an diese Aufgabe hatte.

Wehrführer Bien wurde aus bisher noch unbekannten Gründen 1938 von höherer Stelle seines Amtes erhoben. Erst im Jahre 1949 wurde er erneut Führer der Bad Orber Feuerwehr. Zwischenzeitlich hatte sich die Benennung dieses Postens hin zu „Stadtbrandinspektor“ geändert. Dieses Amt behielt er bis in Jahr 1961.

Im Jahre 1951 am 30. August starb der Sohn von Josef Bien, Hans Herbert Bien, auf tragische Weise. Hans Herbert Bien, ebenfalls Steinmetz, verunglückte tödlich auf dem Bad Orber Friedhof bei seiner Arbeit an einem Grab.

Sommer 1951, noch ohne Schriftzug.

Die Kameraden der Bad Orber Wehr wollten Hans Herbert Bien ein Denkmal setzen. So wurde für den schlimmen Verlust auf dem Frontbalken der Name „Hans Herbert Bien“ angebracht.

Heute existiert nur eine Aufnahme, auf dem dieser Schriftzug zu sehen ist. Diese entstammt dem Privatarchiv von Karl August Ihl und befindet sich nun im Archiv der Stadt Bad Orb.

Wann der Schriftzug entfernt wurde, ist ebenfalls nicht bekannt.

Eine mögliche Annahme ist allerdings, dass der Schriftzug in den frühen 1960er Jahren entfernt bzw. übermalt wurde. Es ist auffällig, dass es in der Chronik der Bad Orber Wehr alle 30 Jahre (+/- weniger Jahre) zu kleineren Verwerfungen zwischen der „alten“ und der „neuen“ Feuerwehr-Generation kommt. So war es auch in den früheren 1960er Jahren der Fall. Möglicherweise kam es hierbei zur Entfernung des Schriftzugs.

Da leider keine Dokumente mehr aus dieser Zeit existieren, ist dies nur eine Möglichkeit und nicht belegbar.

Das LF 8 in den frühen 1980er Jahren ohne Schriftzug.

Das Wirken Josef Biens in der Freiwilligen Feuerwehr Bad Orb war von dem Gedanken bestrebt, jedem Feuerwehrmitglied eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen. Seinerzeit waren geregelte Lehrgänge auf Kreis- oder Landesebene alles andere als üblich. Bereits in der Endphase der Weimarer Republik setzte er sich für überörtliche Kameradschaft ein. Josef Bien starb am 17. November 1964 in Bad Orb.


Quellen: Archiv Freiwillige Feuerwehr Bad Orb, Protokollbuch Freiwillige Feuerwehr Bad Orb, transkribiert von Karola Kertel 2021, Stammbaum + Zeitzeugenberichte Günter Lauer, Ortsfamilienbuch Bad Orb – Eintrag Josef und Hans Herbert Bien, Privatarchiv Karl August Ihl (jetzt Stadtarchiv Bad Orb)

Kategorien: Historisches

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